Vorgestelltes Album: Elbows & Knees

Diesen Monat gibt die New Yorker Jug-Band The Wiyos ihr Audio Network-Debüt mit ihrem Album Elbows & Knees. Das Album nimmt sich auf schwungvolle und fröhliche Art dem Vintage Swing Blues an. Wir haben mit den Bandmitgliedern Michael und Teddy gesprochen um mehr über ihr Album zu erfahren.

 

VÖ: 13 April 2015

Könnt ihr uns ein bisschen was über euer Album für Audio Network erzählen?

Michael: Als wir zum ersten Mal mit Audio Networks Musikteam sprachen, haben wir ihnen einen recht umfassenden Einblick in unsere Arbeit gegeben. Audio Network wollte dann etwas, das mit dem Stil, den wir ein paar Jahre zuvor gemacht hatten, vergleichbar war.

Das war jede Menge alter amerikanischer Blues gemischt mit Hokum-Blues, eine sehr vergnügte, synkopierte Variante des ländlichen amerikanischen Blues‘. Aber es gibt auch urbane Einflüsse – wir kommen ja aus New York und haben zu dieser Zeit sehr viel Stride-Piano-Musik und Stücke aus der Fats Waller-Ära gehört.

Unsere Einflüsse kamen also aus diesen beiden Ecken und diese Stile haben alle sehr komödiantische Elemente, wie in der Jug-Band-Tradition, die wir übernommen haben.

Wie kamt ihr erstmals zur Musik der 1920er und ‘30er?

Teddy: Ich glaube darauf hat jeder eine andere Antwort. Wenn du dich auf die Spuren des, sagen wir mal, 60s Rock’n‘Roll machst und dann immer weiter zurückgehst, kommst du unweigerlich zu den 20ern.

In unserer Szene gibt es mittlerweile sehr viele Bands, die alten Musikstile nacheifern – vor zehn Jahren war das noch nicht der Fall. Damals erschien es einfach als etwas, das noch nicht kommerzialisiert worden war, etwas, das echt war.

Mit YouTube und solchen Dingen wurde es dann einfacher. Früher war es so, dass wir Boxsets oder Neuauflagen von Musik fanden und über diese dann zur Musik fanden. Und dann kam plötzlich YouTube und man konnte all das online finden. Ein Teil davon ist also sicher Zugänglichkeit.

Zudem sind wir vom aktuellen Mainstreamsound nicht wirklich inspiriert. Musik aus einer sehr viel früheren Zeit erscheint uns echt und greifbar. Man kann die Instrumente heraushören und identifizieren.

Versucht ihr bei euren Aufnahmen auch traditionelles Equipment zu verwenden?

Michael: Wir sind da ein Stil-Mischmasch. In dieser Hinsicht sind wir ein bisschen unzeitgemäß. Ich glaube da gibt es viele dieser traditionellen Bands, die sehr unverfälscht und pur bleiben – wir sind nicht diese Band. Wir können das so nicht.

Teddy: Für dieses Album haben wir alte Mikrophone und Vorverstärker und solche Dinge verwendet, aber wir haben direkt digital aufgenommen. Mit diesem ganzen Mix kann man nicht reingehen und auf einer Schallplatte aufnehmen und dann erwarten, dass es für Film und TV brauchbar ist.

Michael: Früher aber haben wir versucht, so viele einfache Rhythmustracks wie möglich live auf Tape aufzunehmen und diese dann zu digitalisieren. Darauf haben wir dann ein paar Spuren gelegt, aber wir sind keine Puristen, die etwas exakt nachbilden wollen. Ich finde, dass jegliche Art von Purismus ein bisschen gefährlich sein kann – und von solchen offenen Leitungen halte ich mich fern!

Bei den Live-Auftritten spielt ihr mit sehr traditionellen Instrumenten – ist das ein großer Teil eurer Band-Identität?

Teddy: Keiner von uns kennt sich besonders mit Technik aus – wir haben nicht mal UK-Telefone, wenn wir hierherkommen. WLAN ist schon eine Herausforderung. Wir sind schon etwas älter als wir aussehen und wir haben den Zeitpunkt verpasst auf diese Welle aufzusteigen, wo man alles tweetet und postet – wir sind bei diesem ganzen sozialen Netzwerken und all dem ziemlich langsam. Was also Pedale und digitale Effekte und solche Dinge angeht, sind wir einfach nie hineingeraten.

Michael: Ich liebe es Musiker zu sehen, die diese Dinge sehr geschmackvoll benutzen, aber es war einfach nie unser Ding oder Teil unseres Sounds.

Teddy: Eine Zeit lang waren wir komplett akustisch und dann habe ich eingestöpselt, worüber manche der American Folk-Fanatiker nicht so glücklich waren. Und dann haben wir sie komplett verstört als wir einen Drummer in die Band holten und quasi alles elektifizierten.

Michael: Wir haben auch ein Konzeptalbum gemacht, das auf Der Zauberer von Oz basierte, und musikalisch haben wir auch einiges geändert und sind sehr elektronisch geworden und haben alle möglichen Sounds eingebracht. Dadurch verloren wir einige puristische Fans, haben aber auch einige neue dazugewonnen. Jetzt machen wir einfach das, was uns inspiriert – aber es bleibt trotzdem alles grob in dieser älteren Zeit.

Was kommt als Nächstes?

Michael: Ich unterrichte, Seth macht Sauerkraut und Teddy arbeitet an seinem Apfelwein-Geschäft.

Teddy: Wir haben jetzt ungefähr eineinhalb Wochen frei und dann spielen wir etwa eine Woche in der Carnegie Hall; wir sind eine von drei Bands, die dort spielen. Im Grunde ist es eine einwöchige Residenz, bei der wir eine interaktive Aufführung für Kinder machen.

Wir spielen zwei Shows am Tag und Schulgruppen aus den fünf Bezirken New Yorks kommen vorbei, hören unsere Musik und ihre Lehrer bringen ihnen unsere Musik bei und das ist der Höhepunkt für die Schüler.

Schreibt ihr dann auch speziell Songs für ein jüngeres Publikum?

Teddy: Das Meiste, das wir machen, ist auch für Kinder zugänglich. Wir haben manchmal aber auch Doppeldeutigkeiten und Songtexte, die die Eltern verstehen, die Kinder aber nicht.

Michael: Einer der Songs, den wir in Carnegie Hall spielen, heißt Who Stole the Lock off the Henhouse Door, dessen Bedeutung nicht allzu verschleiert ist. Wir singen ihn einer ganzen Menge Kindern vor, aber, naja, Sie wissen schon.

Teddy: Die Lehrer lachen sich kaputt.

Michael: Aber das passt schon so. Zuallererst mal verstehen es die Kids nicht, und es ist einfach eine lustige Methode zu versuchen über Dinge zu sprechen, die tatsächlich sowieso gar nicht so schlimm sind. Mich hat es dementsprechend gefreut, dass Carnegie Hall, die ein sehr strenges System haben, diese Songs genehmigt haben. Es war cool, den an ihnen vorbeizuschmuggeln.

   

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